{"id":51,"date":"2017-09-16T04:25:36","date_gmt":"2017-09-16T04:25:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blindfish-and-sheep.de\/?p=51"},"modified":"2022-03-14T13:49:58","modified_gmt":"2022-03-14T13:49:58","slug":"tal-des-todes-14-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blindfish-and-sheep.de\/?p=51","title":{"rendered":"Tal des Todes (14.9.)"},"content":{"rendered":"<p>Unser Abschied von Las Vegas, der Stadt die niemals schl\u00e4ft, vollzieht sich beinahe unspektakul\u00e4r, verglichen mit dem Schreckmoment bei unserer Ankunft. Auto vom Parkservice holen, Koffer rein und zwei mal abbiegen, schon sind wir auf der Interstate Richtung s\u00fcdwesten unterwegs, die uns fast bis an unser heutiges Tagesziel, die Furnace Creek Ranch inmitten des Death Valleys bringen soll.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte vermutlich keinerlei Unterschied gemacht, aber wir wollten direkt nach dem Aufstehen erst mal raus aus der Stadt, auch wenn es hier so etwas wie Berufsverkehr wohl nicht zu geben scheint. Dem Umstand einer fr\u00fchen Abreise geschuldet sind wir jedoch erst mal bem\u00fcht, einen etwas au\u00dferhalb gelegenen Ort f\u00fcr unser Fr\u00fchst\u00fcck anzusteuern. Beim gestrigen Blick auf den Routenverlauf habe ich entdeckt, dass unsere Fahrt \u00fcber Indian Springs f\u00fchrt, das wir schon von einem fr\u00fcheren Aufenthalt kennen, damals gab es dort ein typisch amerikanisches Diner mit gutem und preiswertem Fr\u00fchst\u00fcck, also nix wie hin. Am Ziel erleben wir aber wieder mal eine Entt\u00e4uschung, sechs Jahre bringen wohl doch die ein oder andere Ver\u00e4nderung mit sich, das Diner existiert nicht mehr und die einzige Alternative, eine schummrige Kaschemme ein paar Meter weiter die Stra\u00dfe runter \u00f6ffnet erst um zehn. Wir fahren also weitere 40 Minuten ohne Kaffee dahin (gar nicht gut!) und sto\u00dfen schlie\u00dflich im Amargosa Valley auf das Area 51 Alien Center, wo es auch ein kleines Diner gibt, Aliens m\u00fcssen schlie\u00dflich auch hin und wieder was zu sich nehmen. Der Name spielt aber vielleicht auch auf die ganzen komischen Touris an, die hier vorbeikommen. Wir m\u00fcssen vergleichsweise lange auf das an sich einfache Fr\u00fchst\u00fcck warten, hier regiert eher die Gelassenheit des gro\u00dfen Nichts, das vor uns liegt. Vielleicht wird man aber auch so, wenn man auf das Eintreffen von Au\u00dferirdischen wartet.<\/p>\n<p>Im Death Valley Nationalpark liegt unser erster Stop auf einem der h\u00f6chsten und sch\u00f6nsten Aussichtspunkte auf das bad Water Basin, dem Dante&#8217;s View Point. Obwohl es schon fast Mittag ist, ist es hier oben zwar richtig sch\u00f6n warm, aber auch nicht zu hei\u00df, das Thermometer unseres Autos zeigt etwas um die 70 Grad Fahrenheit. Auf dem Weg hinunter ins Tal klettert die Anzeige dann schrittweise auf etwas \u00fcber 90 Grad. Um rechtzeitig am Treffpunkt f\u00fcr unsere n\u00e4chste Tour anzukommen, \u00fcberspringen wir unseren geplanten Halt am Zabriskie Point und fahren direkt weiter nach Furnace Creek, wo wir direkt das B\u00fcro von Farrabee Jeep Rentals ansteuern. Wir haben eine Tour mit einem ihrer Fahrzeuge samt Guide gebucht. Die meisten interessanten Bereiche des Valleys lassen sich tats\u00e4chlich nur sinnvoll mit einem Offroad-tauglichen Fahrzeug erkunden, das wollten wir uns und unserem gemieteten Dodge nicht antun.<\/p>\n<p>Bei der Ankunft informiert uns unser Guide erst mal dar\u00fcber, dass das urspr\u00fcngliche Ziel unserer Tour, der Titus Canyon, leider wegen \u00dcberflutung geschlossen ist, ein Umstand, den man sich angesichts der einen umgebenden landschaftlichen \u00d6dheit und der herrschenden Temperaturen nicht richtig vorstellen mag. Jesse James (ja, der Kerl hei\u00dft tats\u00e4chlich so) hat als erfahrener Offroader aber nat\u00fcrlich eine sehenswerte Ersatzroute f\u00fcr uns gew\u00e4hlt und wir klettern in den sch\u00f6nen roten Jeep, der kurz nach dem Erklimmen der ersten Steigung im Gel\u00e4nde auf den Weihnachtswunschzettel des Herdenbabys wandert, ich hoffe, wir d\u00fcrfen ihn uns dann auch mal ausleihen.<\/p>\n<p>Wir fahren ca. vier Stunden durch das abseits geteerter Stra\u00dfen liegendes Gel\u00e4nde und ich bin wieder mal erstaunt dar\u00fcber, dass man hier vier Stunden verbringen kann, ohne einem anderen Menschen zu begegnen. W\u00e4hrend der Tour erfahren wir viel interessantes \u00fcber Flora und Fauna, sowie \u00fcber die Geschichte der Region. Eigentlich ist die komplette Region durchzogen von mehr oder weniger gro\u00dfen Stollen aus der Zeit des gro\u00dfen Goldrausches, auch Mineralien und weniger edle Metalle wurden hier aus dem Fels geholt. Wir k\u00f6nnen noch ein paar \u00dcberreste alter Holzh\u00fctten bestaunen sowie diverse Eing\u00e4nge zu alten Mienen, mal mehr oder weniger gut verschlossen. Das Herdenbaby erkundigt sich auffallend oft nach den krabbelnden und kriechenden Bewohnern, auf die man hier eventuell treffen k\u00f6nnte. Die Gefahr, dass sie sich mal auf den Weg macht, um einen der stillgelegten Stollen zu erkunden, besteht angesichts der plastischen Schilderungen unseres Guides vermutlich eher nicht.<\/p>\n<p>Um f\u00fcnf beziehen wir unser Zimmer in der Furnace Creek Ranch. Es handelt sich um eine eher rustikale Anlage unter dem Management durch den Nationalparkservie. Die Zimmer sind ausreichend gro\u00df, d\u00fcrften aber etwas sauberer sein. Von Vegas und den Temperaturen etwas erm\u00fcdet verbringt jeder die n\u00e4chsten beiden Stunden erst mal irgendwo liegend oder sitzend, wobei ich einmal mehr feststellen muss, dass ich nicht vergessen darf, mir ein paar Flaschen des hiesigen Klimas in den Koffer zu packen, das ist genau mein Wetter hier.<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde der Ranch gibt es zwei Futterpl\u00e4tze. Das im Internet nicht gerade angepriesene Buffetrestaurant lassen wir angesichts der pro Person aufgerufenen 25 $ gleich mal links liegen und entscheiden uns f\u00fcr den rustikaleren und preisg\u00fcnstigeren Saloon. Die in der Brosch\u00fcre der Anlage offerierte Pizza, auf die wir uns alle schon insgeheim etwas gefreut hatten, gibt es heute leider nicht, der Pizzaofen wurde k\u00fcrzlich abgebaut. Unser Waiter sorgt zun\u00e4chst mal f\u00fcr etwas Verwunderung bei uns, da alle am Tisch, einschlie\u00dflich mir, nur Wasser als Gert\u00e4nk bestellen. Mein &#8222;I stay with the water&#8220; wird von ihm aber mit einem &#8222;Corona is an excellent choice&#8220; quittiert und er ist davongeeilt, ehe ich widersprechen kann. Scheinbar muss ich doch noch mehr an meiner Aussprache arbeiten. Die Auswahl an Gerichten ist eher klein, neben zwei Salaten gibt es nur Chicken Wings und frittierte Chicken Tenders, was wir dann auch ordern und ohne weitere Missverst\u00e4ndnisse auch bekommen. Einen Gl\u00fccksmoment der besonderen Art darf ich noch erleben, als wir das bestellte Wasser bekommen, das heute erstmals wirklich sehr intensiv nach Chlor schmeckt. Das Herdenbaby bemerkt dies prompt und wundert sich. Mir f\u00e4llt spontan eine gute Geschichte dazu ein. &#8222;Na in diesen trockenen Gegenden m\u00fcssen die halt sehr am Wasser sparen. Und wenn das Chlorwasser f\u00fcr die Pools getauscht werden muss, dann machen die aus dem alten Wasser ihre Eisw\u00fcrfel.&#8220; Gesicht vom Herdenbaby: unbezahlbar!<\/p>\n<p>Der General Store auf dem Gel\u00e4nde der Ranch, den ich preislich eher in der Apotheken-Liga eingestuft h\u00e4tte, offeriert eine kleine Auwahl an Craft Bieren, die wir nat\u00fcrlich probieren m\u00fcssen. Das Death Valley ist der Ort mit der geringsten Lichtverschmutzung in den USA, weshalb man hier sehr oft einen tollen Sternenhimmel zu sehen bekommt, dankenswerterweise auch heute Abend. So machen wir es uns nach dem doch etwas k\u00e4rglichen Abendessen mit unseren Bieren an einer Feuerstelle hinter unserer Veranda auf einer Outdoor-Lounge-Garnitur gem\u00fctlich und gucken in die Sterne. Nach und nach erl\u00f6schen die Lichter der anderen Zimmer um uns herum und ich packe die Kamera auf das Stativ um ein paar Langzeitaufnahmen f\u00fcr zu Hause zu machen. Um elf Uhr liegt die Temperatur noch immer bei 34 Grad, kaum vorstellbar, dass es hier im Winter tats\u00e4chlich auch mal schneit, auch wenn der Schnee nat\u00fcrlich nicht liegen bleibt.<\/p>\n<p>Das Death Valley tr\u00e4gt seinen Namen \u00fcbrigens eigentlich zu unrecht, denn tats\u00e4chlich starben und sterben hier nicht mehr Menschen, als andernorts auf der Welt. Fr\u00fcher traf es \u00fcberwiegend die Prospectors, die, teils schlecht ausger\u00fcstet, teils ohne gute Wasserversorgung, die klimatischen Bedingungen untersch\u00e4tzten. Heute sind es hingegen Touris, die &#8211; ebenfalls sich selbst \u00fcbersch\u00e4tzend &#8211; bei der hier vorherrschenden absoluten Finsternis des Nachts mit hoher Geschwindigkeit die vermeintlich schnurgeraden Stra\u00dfen entlangrasen &#8211; bis sie dann von einer Kurve \u00fcberrascht werden.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Abschied von Las Vegas, der Stadt die niemals schl\u00e4ft, vollzieht sich beinahe unspektakul\u00e4r, verglichen mit dem Schreckmoment bei unserer Ankunft. 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